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«Betroffene sollen wissen, dass Hilfe möglich ist.»

Welche körperlichen Folgen kann FGM/C haben? Antworten gibt es in den Videos mit Gynäkologin Zana Spahija Taturi.

Schmerzen, Probleme beim Wasserlassen oder Beschwerden beim Geschlechtsverkehr: Weibliche Genitalbeschneidung kann unterschiedliche körperliche Folgen haben. Zana Spahija Taturi, Gynäkologin und Oberärztin der Frauenklinik am Kantonsspital Winterthur, kennt diese aus ihrer täglichen Praxis. In unseren Videobeiträgen spricht sie über häufige Beschwerden – und darüber, worauf es bei der Behandlung ankommt.

Welche physischen Probleme sind bei Patientinnen mit FGM/C besonders häufig? Und gibt es bei den Folgen Unterschiede zwischen den einzelnen Typen von FGM/C?

Welche medizinischen Möglichkeiten haben Patientinnen, um die Folgen der Genitalbeschneidung zu mildern? Wie beeinflusst FGM/C die gynäkologische Vorsorge? Und wie gut sind medizinische Fachpersonen über das Thema informiert?

Inwiefern unterscheidet sich die Behandlung von FGM/C-Betroffenen und von Nicht-Betroffenen?

Video-Transkripte

Welche physischen Probleme sind bei Patientinnen mit FGM/C besonders häufig?

Wir sehen häufig chronische Beschwerden wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Probleme beim Wasserlassen, wiederkehrende Infektionen oder auch Menstruationsbeschwerden. Besonders bei der Infibulation können auch geburtshilfliche Komplikationen auftreten. Wichtig ist: Viele Beschwerden sind behandelbar und Betroffene sollen wissen, dass Hilfe möglich ist.

 

Gibt es bei den Folgen Unterschiede zwischen den einzelnen FGM/C-Typen?

Ja, die Unterschiede sind klinisch sehr relevant. Grundsätzlich gilt: Je ausgeprägter die Beschneidung, desto höher oft das Risiko für Komplikationen. Bei leichteren Formen sehen wir häufig urogenitale Beschwerden, Menstruationsstörungen, Infektionen, Narben-Komplikationen und bei der Infibulation häufig auch geburtshilfliche Risiken wie protrahierte Geburten, Dammverletzungen und postpartale Blutungen.

 

Welche medizinischen Möglichkeiten haben Patientinnen, um die Folgen der Genitalbeschneidung zu mildern?

Es gibt mehrere Behandlungsmöglichkeiten wie die Defibulation, bei der das vernähte Gewebe bei einer Infibulation geöffnet wird, um die natürliche Funktion wiederherzustellen. In vielen Fällen kann auch eine Rekonstruktion der Klitoris helfen, um die sexuelle Funktion zu verbessern. Zusätzlich ist psychologische Betreuung wichtig, da viele Frauen emotional belastet sind. Schmerztherapie und sexualmedizinische Begleitung sind ebenfalls entscheidend für die Lebensqualität.

 

Wie beeinflusst FGM/C die gynäkologische Vorsorge?

Gynäkologische Untersuchungen können manchmal erschwert sein und brauchen oft mehr Zeit und besondere Sensibilität, da Narbengewebe und Verengungen den Zugang zum Genitalbereich erschweren. Besonders bei Frauen, die eine Infibulation erfahren haben, ist die Untersuchung oft komplexer. Es ist wichtig, die Patientin im Vorfeld gut zu informieren, um Ängste zu vermeiden. Wichtig ist, dass die Vorsorge trotzdem möglich und sehr wichtig bleibt und die Untersuchung ruhig und respektvoll durchgeführt wird.

 

Wie gut sind medizinische Fachpersonen über das Thema informiert?

Das Bewusstsein wächst, aber es braucht weiterhin mehr Aus- und Weiterbildung. FGM/C soll ein selbstverständlicher Teil medizinischer Kompetenz sein. Nur so können Fachkräfte sicherstellen, dass betroffene Frauen kompetent, respektvoll und kultursensibel betreut werden.

 

Inwiefern unterscheidet sich die Behandlung von FGM/C-Betroffenen und von Nicht-Betroffenen?

Die Behandlung erfordert vor allem Sensibilität, Zeit und Wissen über körperliche und emotionale Folgen. Es ist sehr wichtig, dass Ärzte traumasensibel vorgehen und auf Narbengewebe sowie anatomische Veränderungen achten, insbesondere bei Untersuchungen oder Geburten. Es geht nicht nur um die medizinische Behandlung, sondern auch darum, die Patientin respektvoll und ohne Stigmatisierung zu begleiten. Eine vertrauensvolle Beziehung, in der sich die Frau unterstützt fühlt, ist entscheidend für den Behandlungserfolg.

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